Die sechs Frustrationen des Unternehmers

Im Rahmen der Interview-Reihe, die ich in den letzten Monaten mit Unternehmern aus Spanien und den USA geführt habe, konnte ich feststellen, dass vor allem Freiheit und Kreativität den Unternehmern als Motivation und Ansporn dienen, um Tag für Tag die Energie aufzubringen, ihr Projekt weiter voranzubringen. Diese Motivation ändert sich nicht, egal auf welchen Sektor und auf welches Land man blickt. Dasselbe trifft auch auf Frustrationen zu: Da gibt es sechs wiederkehrende, branchenübergreifende Themen. Allerdings bekomme ich bei Gesprächen mit Unternehmern oft zu hören: „Mein Unternehmen ist anders...“. Darauf pflege ich zu antworten: „Arbeiten Sie mit Menschen?“

Eine Studie aus den sechziger Jahren über das Wachstum von Unternehmen brachte die erstaunliche Tatsache ans Licht, dass alle Unternehmen während des Wachstumsprozesses dieselben Schwierigkeiten durchlaufen. Es gibt fünf Wachstumsphasen und fünf Stagnationsmomente, bei denen es sich um Hindernisse für das weitere Wachstum und die Expansion des Unternehmens handelt. Als EOS Implementer ist es meine Aufgabe, Unternehmen dabei zu helfen, diese Hürden zu überwinden, um weiter wachsen zu können.

In den letzten 15 Jahren hat EOS aktiv mit 4.000 Unternehmen zusammengearbeitet und dabei festgestellt, dass folgende sechs Frustrationen am häufigsten auftreten:

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    Das Team. Von einem Unternehmer hört man nur sehr selten, dass er zu 100% mit seinem Team zufrieden ist. Zunächst mag die Antwort zwar ja lauten, aber wenn man Zufriedenheit näher definiert, machen viele einen Rückzieher. Können Sie problemlos Aufgaben an Ihr Team delegieren? Können Sie Urlaub machen und abschalten, ohne sich darum sorgen zu müssen, was im Unternehmen passiert? Gehen Sie mit allen Themen vollkommen transparent um, weil Sie wissen, dass Sie Ihrem Team vertrauen können? Würden Sie dieselben Mitarbeiter noch einmal einstellen? Ohne die richtigen Personen an den richtigen Stellen ist es unmöglich, die Ziele zu erreichen, die Sie für das Unternehmen gesetzt haben.

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    Mangelnde Kontrolle. Ich frage Unternehmer oft nach ihren derzeitigen Sorgen, welche Probleme ihnen schlaflose Nächte bereiten, was sie um zwei Uhr morgens wach werden lässt, weil ihnen nötige Veränderungen im Kopf umhergehen. Ein Thema, das dabei immer wieder zur Sprache kommt, ist mangelnde Kontrolle. In diesen Fällen fehlt es an einem objektiven, gut zugänglichen Weg, um zu wissen, wie es um das Unternehmen steht. Der Unternehmer fragt seine Führungskräfte einzeln nach der Lage der Dinge. So kann nur schwerlich ein Gefühl von Kontrolle über das Unternehmen, die Situation, die Prozesse oder die gewünschten Resultate aufkommen. Haben Sie Ihr Unternehmen unter Kontrolle – oder werden Sie von Ihrem Unternehmen kontrolliert?

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    Niedrige Gewinne. Das wichtigste Ziel vieler Unternehmer ist das Wachstum ihres Unternehmens. Hat man einmal einen stabilen Umsatz und ein festes Team, wandelt sich dieses Ziel häufig in den Wunsch, die Früchte für jahrelange Arbeit und Anstrengung zu ernten: Man wünscht sich Gewinne. Entweder in Form wiederkehrender guter Geschäftsergebnisse oder zur Steigerung des Unternehmenswertes für einen gewinnbringenden Verkauf. Jede Branche ist anders und jedes Unternehmen eine Welt für sich. In manchen Sektoren strebt man einen Gewinn von 5% an, in anderen kann man auf 30% oder noch mehr hoffen. Unter Berücksichtigung Ihres Sektors, Ihres Unternehmens und Ihrer Erwartungen: Macht Ihr Unternehmen den Gewinn, den Sie sich wünschen?

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    Kein Wachstum. Wie oben bereits erwähnt ist das erste Ziel oft, das Unternehmen wachsen zu lassen, ein Team von 30, 100 oder 200 Personen aufzubauen und einen Umsatz von einer Million – oder 50 – zu erzielen. Häufig stoßen Unternehmer an eine Grenze und wissen nicht, wie sie die nächste Stufe erreichen können. Sie haben Management-Ratgeber gelesen, Strategien und Prozesse geändert, Personalwechsel vorgenommen und dennoch kommen sie nicht vorwärts. Wachsen Sie weiterhin beständig und kontrolliert oder stagniert Ihr Unternehmen?

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    Fehlender Kurs. Langjähriger Kontakt mit Unternehmern hat mir gezeigt, dass Führungskräfte meist eine Vorstellung davon haben, wohin es mit ihrem Unternehmen gehen soll. Manchmal ist sie ein bisschen verschwommen, aber sie ist da. Die größte Schwierigkeit besteht oft darin, dieser Vision Ausdruck zu verleihen und sie effektiv an andere weiterzugeben, damit alle Personen im Unternehmen sie kennen, wissen, wohin der Kurs geht und somit in dieselbe Richtung rudern können. Ist es Ihnen gelungen, Ihr Team auf die Unternehmensvision hin auszurichten?

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    Nichts funktioniert. Manche Unternehmer haben es mit allen möglichen Veränderungen, Anpassungen und Strategien probiert, aber letztendlich brachte nichts davon die erhofften Ergebnisse, nichts hat funktioniert. Das Unternehmen stagniert weiter, ist chaotisch, wächst nicht oder hat keinen klaren Kurs. Die Folge ist häufig, dass die besten Mitarbeiter die Firma verlassen, es kommt zu starker Personalfluktuation. Stagniert Ihr Unternehmen, egal was Sie auch tun?

Anstatt scheinbar magische Patentlösungen zu liefern, lautet mein Rat, einen großen Schritt zurückzutreten und sich die sechs Schlüsselkomponenten der Unternehmen vor Augen zu halten. Gino Wickman, EOS-Gründer und Autor des Bestsellers Traction, fand in seinen Studien mit hunderten von Unternehmen heraus, dass alle Firmen in allen Sektoren folgende Komponenten gemeinsam haben:

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    Vision. Man muss eine klare Vision für das Unternehmen schaffen und diese effektiv an das Team weitergeben: Wohin soll es mit dem Unternehmen gehen, und wie gelangt man dorthin. Wie sagt man so schön: „Wer weiß, wohin es gehen soll, kommt mit höherer Wahrscheinlichkeit ans Ziel.“ Das gesamte Team im Unternehmen muss darüber Bescheid wissen, damit alle mit vereinten Kräften in dieselbe Richtung rudern können.

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    Personen. Ohne Personen gibt es kein Unternehmen, sie machen das Unternehmen aus. Sie sind es, die die Dienstleistung oder das Produkt kreieren und liefern müssen, sie konzipieren die Marketingstrategie und erstellen die Unternehmenswebseite. Hat man nicht die richtigen Personen an Bord, ist es unmöglich, die Vision umzusetzen. Man braucht die richtigen Personen in den richtigen Positionen.

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    Daten. Um ein Unternehmen zu kontrollieren braucht man keine subjektiven Meinungen, sondern fundierte Daten, die angeben, welche Aktivität für das Erreichen der gewünschten Ergebnisse erforderlich ist. Man muss dem Unternehmen mit Hilfe eines Dashboards, das Tendenzen und Muster aufzeigt und auf Probleme oder Chancen hinweist, ständig auf den Puls fühlen. Andererseits brauchen die Personen Ziele und Indikatoren.

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    Open Issues. In allen Unternehmen gibt es ungeklärte Themen, Probleme oder Chancen, also Hindernisse oder andere Angelegenheiten, die geklärt werden müssen, über die entschieden werden muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vision des Unternehmens erreicht wird, ist direkt proportional zur Fähigkeit, Issues zu beheben. Äußerst erfolgreiche Personen sind sehr gut darin, ihre Angelegenheiten und Probleme zu lösen.

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    Prozesse. In allen Unternehmen laufen Prozesse. Einige wenige davon sind entscheidend und machen 80% des Unternehmensgeschäfts aus. Das Unternehmen muss in der Lage sein, bei diesen Prozessen Kontinuität zu schaffen, um ein bestimmtes Serviceniveau oder die Produktqualität zu gewährleisten, die Firma besser managen zu können, mehr Rentabilität zu erzielen und wachsen zu können. Ohne Beständigkeit versinkt das Unternehmen im Chaos, wenn es expandiert.

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    Traction. Traction bedeutet, die Vision in die Tat umzusetzen, sie auszuführen. Es gibt einen schönen Spruch: „Vision ohne Umsetzung ist Halluzination.“ Unsere Vision ist nur so gut wie unsere Fähigkeit, sie umzusetzen und Traction zu generieren. Man muss in der Lage sein, diese Traction mit Hilfe von Tools und klaren Management-Leitlinien zu erzeugen.

Keine dieser Komponenten wird Sie überrascht haben. Und dennoch ist es schwer, die sechs Schlüsselkomponenten des Unternehmens zu stärken. Dabei sind die sechs Frustrationen, die ein Unternehmer durchleiden kann, Ausdruck davon, dass eine oder mehrere dieser Schlüsselkomponenten keine oder nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten haben.

Nächste Schritte...

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