Die Risiken im Auge behalten – Jeffrey Kaftan

Jeffrey Kaftan ist Eigentümer und Generaldirektor des 1965 gegründeten Unternehmens Kaftan Enterprises, das im Bereich Bau und Immobilienmanagement tätig ist. 2015 erhielt es die Auszeichnung „Best and Brightest Companies to Work For“.

Das Interview

Übersetzt aus dem Englischen

Wie alt waren Sie, als Sie Unternehmer und Generaldirektor Ihres Unternehmens wurden, und was hat Sie dazu motiviert?
Mein Vater hatte unser Immobilienunternehmen kurz vor meiner Geburt gegründet. Von klein auf wuchs ich mit dem Unternehmen auf: Ich jätete in den Gärten Unkraut, fegte so manchen Rohbau... Ich arbeitete sehr gerne mit meinem Vater zusammen, den ich immer sehr bewundert habe. Die Idee, eine Immobilie zu erwerben und sie in etwas Besseres zu verwandeln als vorher, hat mir immer gefallen: Etwas aus dem Nichts aufzubauen, Wert zu schaffen.

Jeffrey Kaftan

Bitte beschreiben Sie kurz Ihr aktuelles Projekt
Ich habe mir gerade eine Pause vom Unternehmen genommen und befinde mich in einem Moment der Neuorientierung. Dabei überlege ich, wie ich unser Team neu ausrichten kann, um leistungsstark und zugleich positiv und solidarisch voran zu kommen; wie wir effizient sein, sprich unsere vierteljährlichen Rocks erfüllen und unsere Ziele erreichen können, und all das auf eine Art und Weise, durch die wir alle für das Gemeinwohl arbeiten, mit gegenseitiger Unterstützung. Kommunikation ist unglaublich wichtig. Meine Frau sagt immer „Was gesagt wird, lässt sich lösen, was man verschweigt, das bleibt“(What gets spoken goes away, that what doesn't is here to stay). Man muss Probleme und Hindernisse produktiv zum Ausdruck bringen, um vorankommen zu können.

Hatten Sie im Laufe Ihres Berufslebens schon einmal einen Mentor oder einen Coach?
Am Anfang war unser Vicepresident of Construction mein Mentor; von ihm habe ich viele wichtige Dinge über den Bausektor gelernt. Und die EO (Entrepreneurs Organization) hatte den größten Einfluss auf mich, um diese Lücke zu füllen. Durch die Unterstützung und die Orientierungshilfe in meinen Foren und die Ressourcen, die ich über die Jahre aus dem Forum beziehen konnte, bin ich gewachsen und wachse auch heute noch unglaublich stark.

Was fiel Ihnen als Unternehmer besonders schwer und wie haben Sie diese Hürde bewältigt?
Ich würde sagen, dass in meiner Karriere zwei schwere Momente hervorzuheben sind.

Der erste kam in den Krisenjahren um 2008. Das Unternehmen stand vor großen Herausforderungen und ich musste einige sehr schwere Entscheidungen treffen, unter anderem musste ich Personen, die ich als Freunde betrachtete, mitteilen, dass ich nicht mehr mit ihnen arbeiten konnte. Denn ich musste mich darauf konzentrieren, aus der Situation herauszukommen und konnte den Kopf nicht in den Sand stecken und die Probleme ignorieren.

Die zweite Schwierigkeit, mit der ich auch heute noch zu kämpfen habe, ist die Arbeit mit Familienmitgliedern. Das ist eine große Herausforderung, denn die Grenzen zwischen Privatleben und dem Unternehmen sind verschwommen. Mein Vater und ich haben sehr unterschiedliche Persönlichkeiten – das kann gut für das Geschäft sein, aber auch äußerst frustrierend. Wir sehen die Dinge auf unterschiedliche Arten. Das ist manchmal ein großer Kampf, der viel Stress erzeugen kann. In diesem Sinne können Vermittler sehr nützlich sein.

Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie ein neues Unternehmen gründen?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich etwas anders machen würde. Ein Rat, den ich jedoch vielen Personen gebe, die ein Unternehmen gründen, lautet, am Anfang nicht zu viele Aktien zu verschenken. Die Aktien sind Ihr Baby, schützen Sie sie. Seien Sie kreativ, wenn es nötig ist, aber seien Sie geizig. Manchmal muss man Aktien abtreten oder verkaufen, das tue ich auch, aber behalten Sie genügend für sich selbst, damit die Reise als Unternehmer die Mühe auch wert ist.

Was ist Ihr Erfolgsrezept bei der Leitung eines Unternehmens?
Einer der Schlüssel meines Erfolgs ist es, die negative Seite, also die Risiken, im Auge zu behalten. Manchmal laufen die Dinge nicht wie geplant. Man sollte immer wissen, was man aufs Spiel setzt. Ich glaube, dass die Leute manchmal zu viel riskieren, das muss man sich bewusst machen und begreifen, was eine persönliche Bürgschaft ist, welche realen, finanziellen und emotionalen Risiken dahinter stecken, wenn man beispielsweise das eigene Haus als Darlehensgarantie verwendet.

Prüfen Sie gut, welche Schutzmaßnahmen Sie ergreifen können.

Arbeiten Sie mit einem Prozess, um die Unternehmensstrategie festzulegen?
Unser 5-köpfiges Management-Team setzt sich jedes Jahr einen ganzen Tag lang zusammen. Wir arbeiten mit EOS (Entrepreneurial Operating System) und gehen unsere Vision und unsere langfristigen Ziele durch, nehmen alle erforderlichen Anpassungen vor und legen kurzfristige Ziele fest, die auf den langfristigen basieren. Ich finde das sehr nützlich, weil alle Mitglieder des Management-Teams auf dasselbe Ziel ausgerichtet sind und klar wissen, wohin es mit dem Unternehmen gehen soll.

Machen Sie Teambuilding-Events mit Ihren Mitarbeitern?

Wir haben ein Programm mit dem Titel Kaftan Kares ins Leben gerufen, das eine Menge Initiativen umfasst: Wellness- und Gesundheitsprogramme, zum Beispiel zur Gewichtsabnahme oder sportlichen Betätigung, Teamevents wie Unternehmenspicknicks, professionelle Sportveranstaltungen und Weihnachtsfeiern; Wohltätigkeitsveranstaltungen und Läufe zur Unterstützung der Brustkrebsforschung oder Spenden an örtliche Suppenküchen.

Wenden Sie für das Management des Unternehmens eine Methode an oder haben Sie es vor?
Wir arbeiten mit EOS und verwenden es seit 10 Jahren mit Unterbrechungen. Das Team fühlt sich geschätzt und in die Pläne eingebunden, wenn es aktiv an der Definition der Unternehmensstrategie teilnehmen kann.

Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmern geben, die wachsen möchten?
Glauben Sie an sich selbst. Oft besteht der Unterschied zwischen Großen und Kleinen nur darin, wie weit sie es bringen möchten, sonst nichts. Setzen Sie sich hohe Ziele! Das ist schon die halbe Miete.

Antworten Sie mit nur einem Wort:

Was genießen Sie am meisten daran, Unternehmer zu sein?
Kreativität

Und was am wenigsten?
Die Kontrolle persönlicher Ziele.

Ein Unternehmer, den Sie bewundern:
Brad Keywell. CEO des Unternehmens Uptake und Mitgründer von Groupon

3 Bücher:
Tony Robbins, Money
Viktor Frankl, … trotzdem Ja zum Leben sagen
Patrick Lenconi, The 5 Dysfunctions Of A Team


Vielen Dank für Ihre Zeit, Jeffrey!

Nächste Schritte...

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